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Wohnen und Leben im MichaelisQuartier

(Stadtteilzeitung MQ April 2017 - Redaktion)

Mit der Vortragsreihe „Wohnen und Leben im MichaelisQuartier“ geben Bewohnerinnen und Bewohner und im Quartier tätige Personen Einblicke, Eindrücke, Geschehnisse, Alltägliches und vieles mehr aus ihrem Stadtteil wieder. In der aktuellen Ausgabe porträtieren wir Rolf Irle vom Center for World Music in Hildesheim.

 Rolf Irle - Ein Portrait - Center for World Music Hildesheim

Rolf Irle, 82 jähriger Witwer, lebt seit 3 Jahren bei seiner Lebenspartnerin Helga Schmidt in der Burgstraße. Sein Leben hat er der Erforschung und Sammlung von Musikinstrumenten aus aller Welt gewidmet. In rund 60 Jahren hat er mehr als 3.500 Originale aus allen Erdteilen erworben, von der kleinen Okarina bis zum 4,85 m langen tibetischen Horn. Zu allen Instrumenten kann er eine Geschichte erzählen.

So hat er als erstes Instrument die italienische Okarina als junger Dorfschullehrer im Wendland vom Großvater eines Schülers geschenkt bekommen. In Zeiten des kalten Krieges hat er die russische Kultusministerin angeschrieben und durch ihre Fürsprache original russische Volksmusikinstrumente erhalten. Zahlreiche Instrumente konnte er auf dem samstäglichen Flohmarkt am Leineufer in Hannover erwerben. Viele Originale wurden ihm auch von Privatpersonen überlassen, da sie diese Instrumente in seiner Sammlung gut aufgehoben sahen.

Weihnachten 1947 entfachte in der Trümmern von Solingen eine Familie der Don Kosaken mit ihren russischen Liedern die Begeisterung des 12-jährigen Jungen zu den Instrumenten. Als Lehrer im Wendland sammelte Rolf Irle die ersten Instrumente, als Realschullehrer in der Nähe von Hannover weitete er seine Sammlung aus. Nach seiner Verabschiedung aus dem Schuldienst hat er seine damals mehr als 2.000 Instrumente umfassende Sammlung in der Lehrerfortbildung eingesetzt.

Vor ungefähr 10 Jahren meldete die Universität Hildesheim Interesse an seiner umfangreichen Instrumentensammlung an. Nach Rücksprache mit seinen 4 Kindern stiftete er seine Musikinstrumente, die größte private Sammlung in Europa, dem Center for World Music der Universität mit Sitz in der ehemaligen Timotheuskirche. Dort bot er jeden ersten Sonntag im Monat kostenlose Führungen an. Die Besucher durften die Instrumente berühren und spielen. Die Studierenden arbeiten mit den Instrumenten und geben damit auch Konzerte. Professoren aus aller Welt kommen nach Hildesheim, teilweise um die alten Instrumente aus ihrer Heimat, die es dort nicht mehr gibt, zu begreifen und zu spielen.

Rolf Irle wurde vom Präsidenten Friedrich von der Universität Hildesheim für seine Stiftung mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet. Ganz bescheiden ist seine Lebenseinstellung: „Ich möchte der Gesellschaft, die mir das alles ermöglicht hat, etwas davon zurückgeben.“